Deutsche Industrie: IT-Kriminalität verursacht Milliarden-Schäden

Die Zahlen sind erschreckend: Ein Schaden von 43,4 Milliarden Euro ist in den letzten beiden Jahren in der deutschen Industrie entstanden – verursacht durch Sabotage, Datendiebstahl und Spionage. Doch viele Betriebe nehmen das Thema Datensicherheit immer noch auf die leichte Schulter.

Sieben von zehn Industrieunternehmen (68 Prozent) sind in den letzten zwei Jahren IT-Kriminalität zum Opfer gefallen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Digitalverbands Bitkom, die 503 Geschäftsführer und Sicherheitsverantwortliche befragt hat, quer durch die Industriebranchen. Dabei ist ein Schaden von 43,4 Milliarden Euro entstanden. „Mit ihren Weltmarktführern ist die deutsche Industrie besonders interessant für Kriminelle“, erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Schadsoftware immer bedrohlicher

Die Angreifer klauen E-Mails, Kunden- und Finanzdaten sowie Patente und Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung. „Illegaler Wissens- und Technologietransfer, Social Engineering und auch Wirtschaftssabotage sind keine seltenen Einzelfälle, sondern ein Massenphänomen“, sagt Thomas Haldenwang, Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV).

68 Prozent der deutschen Industrieunternehmen wurden in den letzten zwei Jahren Opfer von Datendiebstahl, Industriespionage oder Sabotage.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Neben der klassischen Wirtschaftsspionage beschäftigen uns vermehrt Attacken, bei denen davon ausgegangen werden muss, dass Schadsoftware mit dem Ziel in IT-Systeme eingebracht wird, Sabotage-Akte vorzubereiten.“

Bitkom: IT-Sicherheit zur Chefsache machen

Doch trotz steigender IT-Kriminalität zeigen sich viele Betriebe noch gelassen. „Viele Unternehmen nehmen das Thema Sicherheit noch zu sehr auf die leichte Schulter, auch weil ihnen das entsprechende Know-how fehlt“, unterstreicht Berg. Doch was tun? „Erster und wichtigster Schritt ist, IT-Sicherheit im Unternehmen zur Chefsache zu machen.“ Das Thema Mitarbeiterschulung sollte dabei ganz oben auf der Agenda stehen. „Der effektivste Schutz vor Spionage, Diebstahl und Sabotage sind motivierte, gut geschulte und aufmerksame Mitarbeiter.“

Fraunhofer Institut bietet Sicherheits-Schulungen an

Das Fraunhofer Institut unterstützt Unternehmen dabei, ihre IT-Sicherheit zu erhöhen. Das Institut hat dafür das Lernlabor Cybersicherheit in Berlin-Brandenburg eröffnet. „Fachleute, die in Unternehmen, Industrie und öffentlicher Verwaltung die Infrastrukturen betreuen, müssen in Sicherheitsfragen laufend geschult werden“, sagt Fraunhofer Fokus-Institutsleiterin Ina Schieferdecker. „Genau das ist die Aufgabe des Lernlabors. Hier erhalten IT-Manager und Fachkräfte aktuelles Know-how aus erster Hand.“ Das Know-how unterstützt Fachkräfte dabei, das Sicherheitsniveau in ihrem Unternehmen einzuschätzen und Schwachstellen in der Software frühzeitig zu erkennen. So können sie schnell und kompetent auf Pannen oder Cyberangriffe reagieren.